Druidentum

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  • Druidentum, engl. Druidry oder Druidism, ist eine Form der Spiritualität, die die Natur verehrt und nach Harmonie mit der Umwelt strebt. Das moderne Druidentum versteht sich als Wiederbelebung druidischer, keltischer und postkeltischer Bräuche.
    Geschichte

    Die Idee eines Neo-Druidentums kam zuerst in der Romantik auf, eine Epoche, die sich durch den Wunsch nach Naturverbundenheit und Mystik auszeichnete. Über die Jahre hatte sich das Bild der Druiden von menschenopfernden Barbaren zu weisen und tugendhaften Volkshelden verändert. Durch die Schriften von William Stukeley und James Macphersons (Ossian-Dichtung) wurde das Interesse am Druidentum geweckt, vor allem in Deutschland, Frankreich und Schottland. Bald schon nannten sich die ersten Leute "Druiden" und gründeten die ersten Druidengruppen:Mount Haemus Grove (1694) und Ancient Druid Order (1717), welche aber noch keine religiösen Gruppen waren. Das änderte sich mit dem Waliser Edward Williams, der sich das Alias Iolo Morganwg zulegte und behauptete, einer der letzten Initianden aus einer Reihe von Druiden zu sein, die bis in die Eisenzeit reiche. Er veröffentlichte viele Schriften, in denen er die walisischen Mythen und Geschichten umschrieb, um sie den Werten seiner Zeit anzupassen. Zehn Jahre zuvor war der Ancient Order of Druids gegründet worden, die als Basis das Freimaurertum hatte und dieses mit keltischen Elementen vermischte.
    Mit der Zeit entwickelten sich viele dieser Orden, spalteten sich oder verschwanden ganz. Die heute bekanntesten Druidentraditionen sind The Order of Bards, Ovates, and Druids (OBOD) und Ar nDraoicht Fein (ADF).

    Kerninhalte

    Die Figur des Druiden
    Zentraler Bestandteil des Druidentums ist die Figur des Druiden. Dieser wird als Philosoph, Lehrer, Ratgeber und Magier angesehen. Viele Traditionen haben unterschiedliche Vorstellungen der Figur des Druiden, vom Druiden der Romantik (älterer, weiser Herr mit weißem Bart und weißer Robe) zum historischen Druiden nach dem neuesten Stand der Forschung (der sich leider nicht so einfach beschreiben lässt).
    In vielen Traditionen werden die Aufgabenbereiche der Druiden in drei Grade eingeteilt, die aufeinander aufbauen: Barde, Ovate/Vate und Druide, wobei der Druide den höchsten Grad darstellt. Je nach Tradition ist der unterste Grad entweder der Barde oder der Ovate.

    Glaubensbestandteile
    Zentraler Bestandteil des Druidentums ist die Verehrung der Natur. Darüber hinaus existieren keine festen Bestandteile, denn ein ebenso fester Bestandteil des Druidentums ist die Ansicht, dass es keine Dogmen im Druidentum geben sollte. Es gibt keine feste Glaubenslehre und keine absolute Autorität. Trotzdem finden sich in vielen Strömungen des Druidentums Elemente wie Ahnenverehrung, Anerkennung der Landgeister und der Anderswelt und das Streben nach Harmonie und Frieden mit seiner Umwelt. Die Natur ist durchweg heilig und verehrungswürdig; alle Götter und Wesen leben in ihr und werden in ihr verehrt.
    Heutzutage ist das Druidentum eher polytheistisch (weich und hart), aber frühere Druidenströmungen waren monotheistisch (christlich!) geprägt und mehr eine Philosophie als eine Religion.
    Das Konzept der Reinkarnation ist weitläufig akzeptiert in druidischen Kreisen.

    Rituale
    Druidische Rituale finden mit Vorliebe tagsüber statt, am besten im Sonnenlicht. Fokuspunkt der Rituale sind ein Altar und/oder ein Feuer. Die Gruppen, die sich zu gemeinsamen Ritualen treffen, werden Groves oder Henges genannt, dt. Haine. Gefeiert wird fast immer das achtfache Jahresrad.
    Typische Ritualbekleidung sind lange Zeremonialroben oder ähnliche Gewänder, aber auch keltische oder keltisch inspirierte Kleidung. Traditionen wie der OBOD haben z.B. ein eigenes Farbsystem, um die Ränge der einzelnen Teilnehmer zu symbolisieren. Zusätzliche Paraphernalia sind unter anderem lange und kurze Stäbe und Kessel.
    Die Zahl der Druiden, die stattdessen keine Ritualkleidung zu Zeremonien trägt, ist nicht gering.

    Künste
    Die Künste, vor allem Musik und Dichtkunst, nehmen im Druidentum einen hohen Stellenwert ein. Höhepunkt eines Rituals ist oft ein Musikstück oder ein Gedicht, das von Barden vorgetragen wird. Dabei wird um poetische Inspiration (Awen oder Imbas) gebeten, die einen durchfließen soll.

    Baumlehre
    In vielen Druidenströmungen existiert eine Art der Baumlehre, obwohl diese sich von System zu System unterscheiden kann. Am häufigsten dient dafür das Ogam, das oft auch als Divinationsmethode und magisches System Verwendung findet. Die Bedeutungen der Bäume variieren von Gruppe zu Gruppe.

    Verschiedene Strömungen

    Order of Bards, Ovates, and Druids

    Der OBOD wurde 1964 von Ross Nichols gegründet und ist eine der bekanntesten Druidenströmungen. Ursprünglich war Nichols Vorsitzender der Ancient Druid Order, bis er mit dem OBOD seine eigene Tradition gründete. Durch seine Freundschaft zu Gerald Gardner, dem Gründer der Wicca-Tradition, flossen einige Wicca-Elemente in die Praxis des OBOD ein, die sich jedoch in Grenzen halten. Nach Nichols' Tod wurde Philip Carr-Gomm Leiter des OBOD und erweiterte das bisher auf persönlichen Kontakt begrenzte Schulungsangebot um Fernkurse.
    Die Ausbildung des OBOD umfasst eine Einführung in bekannte walisische und irische Mythen und die Artus-Sage, die dazu dienen sollen, dem Schüler ein bestimmtes Weltbild zu vermitteln und Naturspiritualität in ihm zu wecken. Die Kultpraxis des OBOD basiert auf den Schriften des 19. Jahrhunderts und auf den Inhalten der Gorsedd of Bards, die von Edward Williams gegründet wurde. Wichtige Bestandteile eines OBOD-Rituals sind das Erstellen eines Kreises, die Anrufung der vier Elemente und das Rezitieren von Gebeten und Gedichten. Die Jahreskreisfeste werden als Feier der Jahresrhythmen gefeiert.
    Der OBOD ist weniger eine religiöse Organisation und mehr eine Art Lebenseinstellung. Das bedeutet, dass Menschen jeder Religionszugehörigkeit Mitglied des OBOD werden können.

    Ar nDraoicht Fein

    Der Ar nDraoicht Fein (übersetzt "Unser eigenes Druidentum") ist eine Druidenorganisation mit Sitz in den USA, die 1983 von Isaac Bonewits gegründet wurde. Sie entstand als Gegenentwurf zum revisionistischen Teil des Heidentums und machte es sich zur Aufgabe, einen kompetenten und ernstzunehmenden heidnischen Klerus auszubilden, der alle nötigen Aufgaben eines solchen Standes in heidnischen Kreisen erfüllen könne. Das Motto des ADF ist "Why not excellence?" (dt. "Warum nicht Vortrefflichkeit?"; ein Aufruf an alle Mitglieder, zu qualitativen Höhen aufzusteigen). Gleichzeitig ist das wichtigste Dogma, dass jeder – selbst der Erzdruide – jederzeit Fehler machen kann.
    Im Gegensatz zum OBOD ist der ADF eine religiöse Organisation und zeichnet sich durch harten Polytheismus aus. Götter werden als real und anbetungswürdig angesehen. Der Fokus liegt dabei auf keltischen, irischen und walisischen Göttern; Monotheismus und Götter außerhalb des indoeuropäischen Kulturraums sind ausdrücklich nicht erwünscht. Die Jahreskreisfeste werden als Gottesdienst angesehen und die angerufenen Gottheiten werden mit Opfergaben um Segen gebeten.
    Außerdem ermutigt der ADF seine Mitglieder, so viel wie möglich zur Geschichte und den Mythen der Kelten und Druiden zu recherchieren. Darüber hinaus ist der ADF stolz darauf, seine Rituale auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts aufgebaut zu haben. Trotzdem ist der ADF kein reiner Rekonstruktionismus, sondern legt Wert darauf, so historisch akkurat wie möglich, aber trotzdem noch in der heutigen Zeit problemlos anwendbar zu sein. Daher sind z.B. Tier- oder ähnliche Blutopfer ausdrücklich nicht erwünscht.
    Der ADF bietet eine breitgefächerte Ausbildung an. Grundlage dafür ist das Dokument Dedicant's Path, das die Grundlagen der ADF-Kultpraxis erläutert und Mitgliedern kostenlos zugeschickt wird. Darüber hinaus kann man verschiedenen Gilden beitreten, eine generelle Ausbildung erhalten oder Schwerpunkte auf Klerustätigkeiten legen.


    Quellen:
    The Dedicant's Path. Eine ADF-Anleitung
    druidry.org
    adf.org/about/basics/adf-and-obod.html

    317 mal gelesen

Kommentare 1

  • Cat -

    Hallo
    Wenn der AK durchgeführt wird, würde ich mich gerne um eine Aufnahme bewerben
    Grüessli
    Cat